Herrliche Morgenstimmung in den Bergen

Manchmal muss man die üblichen Wege verlassen – Flexenspitze

Die Flexenspitze liegt im Herzen des Lechquellengebirges und gehört zu den markanten Gipfeln, die sich um die höchste Erhebung, die Große Wildgrubenspitze, angesammelt haben. Die Gipfel dort sind einsam und bieten alles, was das Bergfexen-Herz begehrt. Aber sie fordern, was aber auch schön ist. Die heutige Tour auf die Flexenspitze, die eigentlich bis zur Grätligratspitze hätte führen sollen, hatte es in sich und so dann und wann musste ich die üblichen Wege verlassen. Aber auch das muss dann und wann einmal sein, wenn man etwas anderes in seinem Leben erleben möchte. In den Bergen nicht immer ganz ungefährlich, zugegeben, aber heute hat es sich mehr als nur gelohnt.

Ausgangspunkt

Ausgangspunkt für diese Tour ist der Wanderparkplatz auf dem Flexenpass. Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, der findet hier auch eine Haltestelle vor. Was durchaus seinen Reiz hat, da man in diesem Fall nicht auf dem gleichen Wege absteigen muss, sondern die schönere Variante über den Alpsee nach Lech wählen kann. Was mehr als nur lohnend ist!

Auf Wegen ohne Markierung

Gleich vorab: die Tour auf die Flexenspitze erfordert zum einen Orientierungssinn, da es keine Markierungen außer den „Steinmandl“ gibt und zum anderen absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Wer zudem das Absteigen über losen Schotter nicht mag, der sollte die Tour sofort wieder aus dem Programm streichen! Gerade der Gipfelauf-/abstieg auf die Flexenspitze erfordern zu dem Erfahrung in leichter Kletterei.

Das erklärte Ziel heute ist die Grätligratspitze, die sich hinter der Flexenspitze versteckt. Mein Fuß, der eigentlich nur die Berge gewöhnt ist, ist noch lädiert vom Fußball-Spielen. Aber bei diesem Wetter muss es einfach klappen.

Gebirgsbach auf dem Weg zum Grubenjoch
Flexenbach auf dem Weg zum Grubenjoch

Über die Wiesen, entlang dem rauschenden Gebirgsbach (Flexenbach) steige ich früh morgens (halb sechs Uhr) auf. Als ich auf das Grubenjoch blicken kann, macht sich Enttäuschung breit, denn hier liegen noch mächtige Alt Schneefelder. Vielleicht sollte ich doch besser auf die Große Wildgrubenspitze aufsteigen? Als ich beim Ursprung des Flexenbaches von einem ersten Schneefeld aus in Richtung Grubenjoch blicke und anschließend die mächtige Flexenspitze vor mir sehe, weiß ich, dass ich es probieren muss. Vielleicht mit einer etwas anderen Variante? Noch habe ich großen Respekt vor den Schneefeldern, aber da sich dort auch das Steinwild „tummelt“ ist es vielleicht nicht ganz so schlimm. Ich steige am rechten Rand des Schneefeldes unterhalb der Kleinen Grubenjochspitze auf. Und das macht sogar richtig Spaß, denn immer wieder heißt es etwas mit den Händen zupacken. Ja, so mag ich es. Ab und dann muss man die üblichen Wege einfach verlassen, wie es scheint. Aber Achtung: Ungeübte sollten das im freien Gelände tunlichst unterlassen!

Herrliche Morgenstimmung in den Bergen
Herrliche Morgenstimmung in den Bergen

Direkt unter der Kletterwand zum Grubenjoch komme ich heraus. Heute wähle ich die Umgehung, da selbst in dieser senkrechten Wand noch Schneewehen hängen, das ist mir dann doch etwas zu „haarig“. Auf dem Grubenjoch lacht mir die Morgensonne ins Gesicht und bereits hier erschließt sich ein herrliches Panorama auf meine Lieblinge im Lechquellengebirge. Die Wasenspitze ist noch ummantelt von mächtigen Schneefeldern, aber alle anderen Gipfel sind frei von Schnee und warten auf Besuch.

Herrliche Kletterei auf das Grubenjoch
Herrliche Kletterei auf das Grubenjoch

Nach einer kurzen Genuss-Pause an der Sonne geht es weiter in Richtung Flexenspitze. Achtung: hier nicht über den verlockenden Grat ab dem Grubenjoch aufsteigen, sondern die Flexenspitze westlich umgehen. Der Einstieg zum Gipfelsturm ist mit einem „Steinmandl“ versehen, was allerdings etwas gesucht werden will. Von hier aus geht es nun stark ansteigend, über losen Schotter hoch zur südlichen Flanke. Immer wieder auf die einzelnen, wenigen „Steinmandl“ achten. Diese erleichtern die Orientierung. Die südliche Flanke erreicht, geht es auf der östlichen Seite senkrecht bergab, daher gilt es hier die Schritte vorsichtig zu setzen, denn der Grat für den Aufstieg ist schmal und die Felsen hier werden immer loser (zumindest ist das mein Eindruck). Vielleicht haben die Klimaforscher doch Recht …

Morgenstimmung auf dem Grubenjoch
Morgenstimmung auf dem Grubenjoch

Immer wieder muss man Hand anlegen und mit leichter Kletterei kleine Felsen überqueren. Das macht Spaß und erleichtert mir zumindest den Aufstieg. Der Gipfel ist bald erreicht und belohnt mit einem fabelhaften Gipfelpanorama. Eine erste Pause ist mehr als verdient. Schade, dass heute der Himmel etwas trüb ist und dadurch die Fernsicht etwas eingeschränkt ist. Aber selbst ohne die ansonsten grandiose Fernsicht, befindet man sich auf einem wahrhaft herrlichen Gipfel. Leider spüre ich meine Mittelfußverletzung mehr, als mir lieb ist. Nichts desto trotz wandere ich dem Grat entlang in Richtung Grätligratspitze. Da der Schmerz immer stärker wird, entschließe ich mich aber vor dem finalen Anstieg auf den Gipfelsturm zu verzichten, denn immerhin möchte ich ja auch wieder ins Tal kommen und dafür brauche ich auf diesem unwegigen Gelände heute beide Füße.

Auf dem Gipfel der Flexenspitze
Auf dem Gipfel der Flexenspitze

Der Abstieg von der Flexenspitze über das lose Gestein ist mit meinem Bein heute sehr mühsam und erfordert sehr viel Feingefühl. Und so versuche ich das Bein so gut wie möglich zu schonen, was bei diesem Gelände nicht einfach ist. Auf jeden Fall bin ich froh, als ich wieder auf dem Grubenjoch stehe.

Die schöne Grubenjochspitze
Die schöne Grubenjochspitze

Um schneller talwärts zu kommen, entscheide ich mich für die Abfahrt mit den Bergschuhen über das vor mir liegende Schneefeld. Achtung: auch das ist absolut nicht empfehlenswert, wenn man sich mit Alt Schneefeldern nicht auskennt! Eine tolle Entscheidung, denn auf den Schuhen geht es wie auf Skiern zur Sache und so überwinde ich eine ansonsten von Schotter geprägte Strecke in nur 10 Minuten, für die man ansonsten gut und gerne 30-40 Minuten benötigt. Den Spaß, den ich dabei hatte, ließ jeden Schmerz im Bein vergessen! Einfach ein Traum.

Alt Schneefeld - rasante Abfahrt
Alt Schneefeld – rasante Abfahrt

Eine herrliche Tour, die nicht jedermanns Sache ist, aber für einsame Gebirgsjäger vielleicht zu den schönsten gehört.

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Details

Wegstrecke 6,5km
Gehzeit 4 ½ – 5 ½ Stunden
Höhenmeter 942m
Höchster Punkt 2.627m Flexenspitze
Einkehrmöglichkeiten Auf dem Weg keine – auf dem Flexenpass bzw. in Zürs J
Parkmöglichkeiten Wanderparkplatz Flexenpass

Weitere Bilder zur Tour

Gibt es auf Facebook.

Karte und Höhenprofil

karte - flexenspitze
Quelle: outdooractive.com
flexenspitze - höhenprofil
Quelle: Outdooractive.com

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2 Kommentare zu “Manchmal muss man die üblichen Wege verlassen – Flexenspitze”

  1. Und dein Bericht ist auch schon fertig 🙂 Somit hochaktuell
    Die Flexenspitze bzw. das ganze Gebiet drum herum hat schon was! Beeindruckend. Herrlich solche Berge, die sich nicht mehr mit grün beschmücken sondern rauem Fels und Schotter.
    Da bin ich auch oft mit großem Bedacht unterwegs. Gerade Schotter oder wie du hier schreibst, brüchige Felsen. Hier muss man stark aufpassen und nicht unbedacht herum wandern.
    Sehr schöne interessante Tour!
    LG
    ..und gute Besserung für dein Bein

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, da hast Du vollkommen RECHT … wer darin nicht geübt ist, sollte diese Gipfel meiden … vor allem wird es von Jahr zu Jahr leider schlimmer … habe mein Bein nun bandagiert und hoffe, es ist schon bald fit für die nächste Tour 😉 das Wetter ist ja ein Traum … Schönes WE noch

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