Tannheimer Berge – 5 Jungs, 4 Hütten, 3 Touren und …

Das Tannheimer Tal und seine Berge liegen im schönen Tirol und gehören zu den Allgäuer Alpen. Bekannt ist das schöne Tal für seine beeindruckenden Gipfel und seine landschaftliche Schönheit. Beeindruckend ist aber vor allem die Vielfalt an Möglichkeiten mit dem das Tannheimer Tal aufwarten kann. Hier findet wirklich jeder etwas für seinen Geschmack – egal, ob Biker, Kletterer oder Wanderfreund.

 

Wie jedes Jahr, habe ich auch in diesem Jahr für mich und 4 Jungs (13-14 Jahre alt) eine „Bleibe“ in den Bergen gesucht. Dabei haben wir natürlich bereits fixe Vorstellungen:

  • Selbstversorgung ist Pflicht
  • Möglichst ruhige Lage
  • Möglichst hohe Lage
  • Einsamkeit und die Möglichkeit für schöne Touren

Die unsichere Wetterlage hat uns dazu bewogen, Hütten oberhalb von 2.000 Höhenmeter auszugrenzen und so sind wir recht bald fündig geworden und sind auf die schöne Willi Merkl Hütte gestoßen. Die vor allem auch für meinen Bruder (Down-Syndrom), der zu Fuße nicht ganz so fit ist, ein ideales Ziel sein sollte. Von hier aus sollten schöne Touren und Wanderungen möglich sein und für mich sollte sich ein Sonnenaufgang auf der schönen Kellenspitze an einem der Tage ausgehen. So der Plan. Aber es kommt nicht selten anders, als man denkt.

Willi Merkl Hütte
Willi Merkl Hütte

Ausgangspunkt Grän / Talstation Gondelbahn

 

Ausgangspunkt für uns war die Talstation der Gondelbahn in Grän. Von hier aus ging es mit der Bahn bergwärts zur Sonnenalm. Die Sonnenalm ist gleichzeitig auch die Bergstation der Gondelbahn. Natürlich hätte man auch vom Tal aus aufsteigen können, aber zum einen lieben wiralle das Hochgebirge und zum anderen ist der Aufstieg über den Güterweg kein echtes Highlight.

Von der Bahn aus kann man bereits die herrliche Bergwelt der Tannheimer Berge bewundern. Die Läuferspitze rechts von der Sonnenalm lässt bereits erahnen, wie kantig und markant die Gipfel hier sein können. Links der Bergstation liegen die beliebten Ziele Sefenspitze und Sebenspitze. Nicht ohne Grund, denn mit wenig Schwierigkeit und Anspruch können hier in kurzer Zeit schöne Gipfel im Mittelgebirge erklommen werden.

Sonnenalm - Tannheimer Berge
Sonnenalm – Tannheimer Berge

Über das Hallergehrenjoch zur Willi Merkl Hütte

 

Spätestens wenn man die Gondel an der Bergstation verlässt, ist man verzaubert von der landschaftlichen Schönheit, mit der die Tannheimer Berge aufwarten können. Nicht ohne Grund ist man hier daher selten allein und muss sich dieses Paradies mit anderen Naturliebhabern teilen.

Unterhalb der Läuferspitze – meinem Bruder war der Anstieg optisch doch zu viel – geht es zum Reintal Joch. Ein wirklich lohnendes erstes Ziel, denn spätestens ab hier ist man wirklich begeistert, denn man überblickt von hier aus das gesamte Reintal und die mächtige Bergwelt. Links der Blick zur Großen Schlicke und rechts der Blick zu den mächtigen und beliebten Kletterzielen, wie Schartschrofen, Gimpel und Köllenspitze. Und nicht zu vergessen der Blick ins langgezogene Reintal direkt vor den Füßen.

Vom Reintal Joch geht es direkt unterhalb der Läuferspitze in Richtung Schartschrofen. Hier sollte man ruhige und leise wandern, denn hier kann man das Steinwild normalerweise zahlreich bewundern. Wir hatten Glück und das Steinwild war quasi zum Greifen nahe. Ein wunderschöner Anblick, der nicht nur mich begeistert hat.

Halgehrenjoch
Halgehrenjoch

Bevor man das Hallgehrenjoch erreicht, wandert man auf der Rückseite dieses Kletterparadieses und wird mit einem wunderschönen Blick auf den Haldensee belohnt. Zwischen Latschenkiefer und über Wurzelwerk geht es zum Hallgehrenjoch. Schartschrofen und seine Freunde haben es mir angetan, aber meinen Bruder zieht es von hier aus talwärts. Vielleicht auch deshalb, da man von hier aus bereits unser Ziel, die Willi Merkl Hütte, erblicken konnte. Schade.

Füssener Hütte
Füssener Hütte

Der Abstieg erfolgt über wunderschönes Gelände, aber dem Boden ist anzumerken, dass er zuletzt etwas viel Wasser abbekommen hat und so wird der Abstieg etwas mühsam. Nicht wegen der Jungs oder mir, sondern vor allem wegen meinem Bruder, der immer wieder ins Rutschen kommt. Fluchend, schimpfend und nicht mehr wirklich ruhig kämpfen wir uns so Hand in Hand in Richtung Hütte. Immer wieder rutschen wir zu Zweit talwärts, statt Schritt für Schritt zu gehen. Aber auch das hat etwas.

Abstieg über Wurzelwerk
Abstieg über Wurzelwerk

Entlang dem Sababach laufen wir nun endlich eben in Richtung Hütte. Die Stimmung hellt sich auf und auch die Freude und Begeisterung kehrt bei meinem Bruder zurück. Aber vor allem der Stolz auf das Geleistete ist beim Blick zurück in sein Gesicht geschrieben.

Die drei Hütten – Füssener Hütte, Otto Mayr Hütte und Willi Merkl Hütte, sind rasch erreicht. Auf der Füssener Hütte belohnen wir uns – die drei Jungs warten hier bereits seit geraumer Zeit ungeduldig – mit einem guten Essen. Der Schweinebraten und der Kaiserschmarren munden perfekt.

Käse und Milch von der Musauer Alm

 

Unsere Hütte, die Willi Merkl Hütte, ist eine Selbstversorger Hütte des AV Friedberg. Eine wirklich schöne, urige Hütte, die vor allem für die nächsten drei Tage uns alleine gehört! Ein Traum. Ein Grund mehr mit zwei Jungs den Weg zur Musauer Alm, die etwas 250 Höhenmeter tiefer und circa 30 Minuten entfernt liegt, zu suchen, um für das Frühstück Käse, Milch und Butter auf den Tisch zu zaubern.

Musauer Alm
Musauer Alm

Ein wunderschöner Waldweg führt direkt von der Otto Mayr Hütte zur Musauer Alm. Auf dem Weg quert ein Reh unseren Weg und ein weiteres äst quasi eine Handlänge von uns entfernt. Die Jungs sind begeistert und man kommt sich beinahe vor wie im Zoo, denn Angst kennt das Getier hier wohl nicht.

Zufriedene Tierwelt
Zufriedene Tierwelt

Die schöne Musauer Alm ist bald erreicht. Wie es aber ein Männerhaushalt gerne so hat, hat er auf gewisse Dinge vergessen und da Milch nicht in den Händen transportiert werden kann, muss auf diese verzichtet werden, aber auf leckeren Käse verzichten wir nicht!

Beim Rückweg träume ich bereits vom Sonnenaufgang auf der Kellespitze (Köllenspitze), die ich am nächsten Morgen in Angriff nehmen möchte. So zumindest mein Plan, der aber bei Erreichen unserer Unterkunft immer weiter in Ferne rückt, denn kaum schließen wir die Türen hinter uns, scheint die Sintflut ihre Heimat gefunden zu haben. Uriges „Geprassel“ auf dem Dach, den Fenstersimsen und der Hauswand beeindrucken uns alle.

Nach einem leckeren, selbstgemachten Rösti geht es an den Spielabend wie es sich für einen richtigen Hüttenaufenthalt gehört. Der Regen spielt mit, soviel steht fest, noch aber hoffe ich auf den nächsten Morgen und ein baldiges Ende der Sintflut. Aber spätestens mit der Einkehrenden Nachtruhe wird mir klar, dass ich keinen Wecker stellen muss. Denn der Himmel hat offensichtlich Wasser in Hülle und Fülle zur Verfügung.

Leckeres Rösti
Leckeres Rösti

Es kommt immer anders als man denkt …

 

…denn als ich am früheren Morgen, aber leider zu spät für eine schöne Gipfeltour in den Sonnenaufgang, vor die Hütte trete, ärgere ich mich über mich selbst, denn vom Regen, den Wolken und der Sintflut ist keine Spur mehr. Ein traumhaft schöner Tag steht bevor. Die kurze Zeit, die mir verbleibt, bevor es an das Frühstück geht, nütze ich und steige auf zum Hallergehrenjoch. Die aufgehende Sonne verzaubert die Felswände und lässt sie in rötlichem Licht erscheinen. Die Felswände der Berge leuchten, als ob man in den Dolomiten wäre. Ein Traum!

Sonnenaufgang - Gehrenspitze
Sonnenaufgang – Gehrenspitze
Schartschrofen in roten Farben
Schartschrofen in roten Farben

Nach dem tollen Bergler-Frühstück auf der Hütte machen wir uns auf den Weg zur Vilser Scharte, die über einen schönen Berg- und Wiesenweg direkt von der Hütte aus erreicht werden kann. Unser eigentliches Ziel, die Große Schlicke, klammern wir für meinen Bruder aus, ihn zieht es einmal mehr in Richtung Verpflegungsstation und so wandern wir zurück in Richtung Sonnenalm. Was aber auch die Jungs glücklich macht, denn hier gibt es WLAN und ein Netz 🙂 Beides ist im Reintal nicht verfügbar und so sind alle glücklich und zufrieden.

Für mich ist hier jedoch beinahe etwas zu viel los, offensichtlich wissen auch viele andere um die Schönheit der Tannheimer Berge.

Beim Rückweg zur Hütte entdecken wir das Geschenk des Regens, Schwammerl in Hülle und Fülle und so ist klar, dass sich vor dem Abendessen ein Sammeltrupp auf den Weg machen wird. Zwei Jungs und ich machen uns direkt von Hütte aus auf den Weg in Wald und sammeln für das leckere Abendessen. Und wirklich lange suchen muss man hier nicht, Schwammerl gibt es hier zur Genüge.

Eine leckere Schwammerpfanne rundet so einen schönen Grillabend auf der herrlichen Terrasse mit Blick auf die markante Bergwelt bei Sonnenschein ab. Was will man mehr.

Leckere Schwammerlpfanne
Leckere Schwammerlpfanne

Mit einem herrlichen Spieleabend ohne WLAN und Netz rundet den wunderschönen Tag in den Bergen ab.

Dunkle Wolken als Ansporn

 

Die Wetterprognose hält was sie verspricht, unsicheres Berg- und Sommerwetter. Dunkle Wolken türmen sich hinter den schönen Gipfeln auf, noch haben wir Sonne bei unserem Frühstück, aber wenn wir trocken zurück ins Tal kehren wollen, dann müssen wir zeitig aufbrechen. Mein Bruder, der Wasser und Regen scheut, ist heute richtig gut zu Fuß und macht Tempo. Vielleicht auch deshalb, weil er sich seinem Rucksack entledigt hat und diesen mir in die Hände gedrückt hat. Bei strahlendem Sonnenschein geht es früh am Morgen durch die herrliche Bergwelt zurück zur Bergstation der Gondelbahn. Die Jungs eilen in einem Höllentempo voraus, denn sie möchten auf die Bahnfahrt verzichten und zu Fuß absteigen. Ein Ziel, das sie auch erreichen, dass sie aber auch in den Beinen spüren. Mit Wehmut steigen mein Bruder und ich in die Gondelbahn und fahren ins Tal hinab. Schade, dass für die Köllenspitze das Wetter zu unsicher war. Aber heute ist nicht aller Tage Abend und das letzte Mal war ich hier mit Sicherheit nicht, denn Kelleschrofen, Köllenspitze und Gimpel haben mich zu sehr beeindruckt.

Herrliche Tage in der Bergwelt finden so ihr Ende, aber eines ist klar, schon bald machen wir uns alle wieder auf den Weg und machen die Berge unsicher. Unsere letztjährige Hochtour zur Neuen Reutlinger Hütte, der östlichen Eisentalerspitze und die diesjährige Tour waren zu schön, um …. die Jungs sind auf den Geschmack gekommen und haben bereits ein neues Ziel ins Auge gefasst, Hüttentage im Winter …

Weiterführende Informationen und Berichte über die Region:

Vor allem für die Kletterer unter Euch möchte ich den Bericht von Magazin „Bergzeit“ empfehlen! Beim nächsten Besuch im Tannheimer Tal – der bestimmt ansteht – werde ich mich auch wieder ins Abenteuer wie im Magazin „Bergzeit“ beschrieben stürzen:

http://www.bergzeit.de/magazin/klettern-rote-flueh-sturm-im-paradies-tannheimer/

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