12 Rauhnächte stehen bevor – Wintersonnenwende

wintersonnenwende

Mit dem 21. Dezember in diesem Jahr werden die Nächte wieder kürzer und die Tage wieder länger. Die Wintersonnenwende ist eine der heiligsten Sonnenfeiern im Jahreskreis. Da es sich um die tiefste Nacht des Jahres handelt, wird sie auch als Mutternacht bezeichnet. Den Mythen zur Folge gebar in dieser Nacht die Göttin in der finsteren Erde das wiedergeborene Sonnenkind. Die Weihe-Nacht, heute Weihnacht, ist mythisch betrachtet eine Manifestation dessen.

Die Kelten und Germanen haben die Wintersonnenwende nicht nur in einer Nacht gefeiert, sondern über einen Zeitraum von 12 Tagen hinweg. In vielen Alpenregionen wird diesen Nächten auch heute noch große Bedeutung zugemessen. Mit „Heilig-Drei-König“ sind die Rauhnächte vorüber.

Rauhnächte als Orakel

Die einzelnen Rauhnächte wurden in früheren Jahren zur Deutung der bevorstehenden Monate im neuen Jahr verwendet. So stand die erste Nacht (21. Dezember) für den Januar des folgenden Jahres. Dabei wurden nicht nur Träume gedeutet, sondern alles, was an diesem Tage geschah. Es wurde das Wetter beobachtet, beurteilt, ob das Essen geschmeckt hat und vieles mehr.  Besondere Bedeutung wurde den Träumen zugewiesen. Nicht selten fand man in den Rauhnächten auf den Nachttischen Papier und Bleistift, um die Träume festzuhalten.

Nächte der Wiedergutmachung

Waren die ersten drei Rauhnächte nicht entsprechend, dann konnte man am 28. Dezember (Tag der Kinder) alles wieder gut machen und auflösen. Um dies zu erreichen, mußte man sich einfach nochmals alles vorstellen und anschließend in weißes Licht tauchen oder in ein violettes verwandeln. Diese Möglichkeit zur Wiedergutmachung hatte man auch jeweils am letzten Tag, den 5. Januar, dem Hohen-Frauen-Tag. An diesem Tag hat man an vielen Orten Ställe, Räume und um das Haus herum geräuchert. Mancherorts gab es große Umzüge durch die Straßen.

Christlicher Ursprung

Wer meint, das Ganze sei heidnischen Ursprungs, der irrt, denn vielmehr meint man, dass die Rauhnächte auf die Christen zurückgehen.

Sinn des Räucherns

Mit dem Räuchern will man schlechte Energien und böse Geister vertreiben. In Tiroler Tälern und im Allgäu ist dieser Brauch heute noch verbreitet. Weihrauch soll diese vertreiben. Krankenzimmer wurden früher mit Wacholder ausgeräuchert.

Richtig räuchern – das Räucherritual

Zur Reinigung geht man dreimal gegen den Uhrzeigersinn die Wohnung, die Ställe und das Gebäude ab. Dabei bedankt man sich und läßt nicht mehr Notwendiges in Liebe gehen. Um den energetischen Schutz aufzubauen, geht man dreimal im Uhrzeigersinn durch die Räume und füllt diese mit Licht und Liebe auf.

In Tirol (Zillertal) wurde aus dem Holzofen Glut entnommen und in eine eiserne Pfanne gegeben. Über die Glut wurde in der Regel Weihrauch gestreut … mit dieser Pfanne wurde nun das Haus, der Hof abgegangen. Mancher Orts folgte dem Räucherer ein Familienmitglied mit Weihwasser und sprengte damit die Räumlichkeiten.

Liebeszauber in der Thomasnacht

Die Thomasnacht, die vom 20. auf den 21. Dezember, galt als eine der stärksten Rauhnächte. So ging man früher davon aus, dass man in jener Nacht auch lebende beschwören und bezaubern kann. Vor allem der Liebeszauber hatte in jener Nacht eine große Bedeutung. Dabei wurde ein Bild oder Gegenstand der jeweiligen Person besprochen und zum eigenen Schutz zog man blau gefärbte Kleidung und ein Amulett an.

Weihnachts-Räuchermischung

  • Beifuß
  • Mistel
  • Wacholderbeere
  • Fichtenharz
  • Angelikawurzel
  • Holunderblüten
  • Propolis
  • Bernstein
  • Salbei

Getrocknet natürlich 🙂

Die Rauhnächte im Detail

Die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember – Thomasnacht

Wie bereits erwähnt ist diese Nacht vor allem für die Liebe von besonderer Bedeutung. In einigen Regionen hat man früher Namen von Frauen oder Männer auf Zettel geschrieben und unter das Kopfkissen gelegt. Gleichzeitig hat man auch einige leere Zettel darunter gelegt. Am nächsten Morgen – wenn man denn auch in den Schlaf gefunden hat 😉 – zieht man einen Zettel. Mit dem, der auf diesem Zettel steht, geht man im neuen Jahr eine Liebesbeziehung ein.

Anderer Orts hat man sich verkehrt rum ins Bett gelegt und den Hl. Thomas um Hilfe gebeten. Mit etwas Glück durfte man in jener Nacht vom Geliebten/von der Geliebten träumen.

24. auf den 25. Dezember – Heilige Nacht

Gerade diese Nacht hatte und hat einen ganz besonderen Stellenwert. In jener Nacht können Krafttiere im Traum zu uns sprechen und früher ging man davon aus, dass Tiere in dieser Nacht zu Menschen sprechen können. In dieser Nacht wurden früher vor allem auch Rituale durchgeführt, die mit Glück und Geld zu tun hatten. Laut Überlieferungen wurden an jenem Tag Schlüssel und Türschlösser gereinigt.

Aber dieser Nacht wurde auch anderes Mystisches und Außergewöhnliches nachgesagt. Mein Vater erzählte gerne die Geschichte von der versunkenen Kirche und nur in jener Nacht hörte man die Kirchenglocken dieser Kircher bis weit über die Landesgrenzen hinaus.

31. Dezember auf den 1. Januar – Silvester

Wer kennt es nicht – Blei-Gießen und ähnliche Bräuche? Alle werden in der Silvester-Nacht durchgeführt. Das hat seinen guten Grund, denn jener Nacht wird seit jeher die größte Wahrsagewirkung zugesagt. Auch in dieser Nacht stehen Liebe, Familie und Ehe im Mittelpunkt.

5. auf den 6. Januar – „Perchten“-Nacht

Eine reinigende Nacht laut Überlieferung. In jener Nacht kann man sich von Überflüssigem, Belastendem und Altlasten trennen. In dieser Nacht kann man sich endgültig vom „alten“ Jahr trennen. In einigen Regionen hat man an diesem Tag den Christbaumschmuck abgenommen und versorgt. Es war auch jener Tag, an dem früher die Fenster geöffnet wurden (um die Geister zu vertreiben) und intensiv geräuchert wurde (so auch mein Vater, der aus dem Zilltertal stammt).

An diesen 4 Rauchnächten wurde aufgrund der Bedeutung, der ihnen beigemossen wurde, gefastet und gebetet. Nicht selten den ganzen Tag lang und Arbeit war an diesen Tagen ein Fremdwort. Man hielt sich bei seinen Liebsten auf und verbrachte mit ihnen Zeit.

Naturphänomene in den Rauhnächten

Pflanzen

Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Ruhephase der Pflanzen in den Rauhnächten ein Ende nimmt. Die Samen beginnen tief im Erdboden zu keimen und zu erwachen. Auch die Pflanzensäfte geraten wieder in Bewegung und steigen langsam empor. In gefrorenen Seen hat man festgestellt, dass in diesen Nächten die Algen wieder in Bewegung kommen.

Das Licht

Rauhnächte (Sonnenunter- und aufgänge) sind für ihre Farbspiele bekannt. Der Grund dafür liegt in der tief stehenden Sonne, dadurch werden einzigartige Farbspiele ermöglicht.

Rauhnächte im Jahreskreis

  • 4./5.1. Hohe-Frauen-Nacht
  • 5./6.1. Dreikönigstag, Epiphaniasnacht
  • 30.4./1.5. Walpurgisnacht
  • 1./2.11. Allerheiligen/Allerseelen
  • 2./3.11. Hubertusnacht
  • 29./30.11. Andreasnacht
  • 5./6.12. Nikolausnacht
  • 21./22.12. Wintersonnenwende
  • 24./25.12. Christnacht
  • 27./28.12. Tag der Kinder
  • 31.12./1.1. Silvesternacht

Dunkle Geister in den Rauhnächten

Schwarze Hunde

Die Schwarzen Hunde bewachen die Eingänge in die Welter der Toten. Der Schwarze Hund kann sich selbst als solcher zeigen, aber auch mit drei Köpfen in Erscheinung treten. Vor allem um Mitternacht tritt dieser gerne in Erscheinung. Wenn man früher um Mitternacht Hundegebell hörte, dann ging man davon aus, dass ein Familienmitglied oder ein guter Freund den Tod erleiden wird. Der Schwarze Hund wurde oft aber auch als Vorbote für Seelen gesehen, die noch keinen Frieden gefunden haben.

Unerlöste Seelen

Sie traten so in Erscheinung, wie sie gestorben sind (zB mit einem Dolch im Bauch oder ähnliches). Nicht selten waren sie mit Blut beschmiert. Gesehen wurden unerlöste Seelen vor allem an „verwunschenen“ Orten (Ruinen, Friedhöfe, etc.). Auch sie traten vor allem um Mitternacht in Erscheinung.

Andere Gäste aus dem Schattenreich

  • Werwölfe
  • Vampire
  • Hexen
  • Habergeiß
  • Alb (ist für Albträume verantwortlich)
  • Nebelfrauen
  • Das wilde Heer

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11 Kommentare zu „12 Rauhnächte stehen bevor – Wintersonnenwende“

  1. Eine unheimlich interessante Zusammenstellung!

    Nur eines ist ein bisschen kurz gekommmen: Du schreibst, dass die Rauhnächste christlichen Ursprung haben, aber auch, dass „den Mythen zur Folge in dieser Nacht die Göttin in der finsteren Erde das Sonnenkind wiedergebar.“ Das hört sich für mich nach einer viel älteren Religion an.

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    1. Hallo Corinna,

      vielen Dank 🙂

      Ich gebe Dir RECHT und ich bin nach wie vor auf der Suche nach weiteren Spuren … ergänze den Bericht laufend und bin schon gespannt, worauf ich noch alles stoßen werde …

      Aber ich denke auch, dass das Ganze viel weiter zurück geht.

      Alles Liebe Michael

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