Wenn das Schaf zum Gebirgsjäger wird ….

Wer in den Bergen unterwegs ist, der kennt sie, die Grünerle oder auch als Laublatsche bekannt. Sie hat eine Wuchshöhe zwischen drei und sechs Meter und gehört – wen wunderts, wohnt sie doch in den Bergen – zu den robusten Pflanzen in den Alpen. Bislang war sie gern gesehen in den Bergen, denn sie verhindert Hangrutschungen und ist vor allem in lawinengefährdeten Gebieten (häufig Nordhänge) häufig die einzige Baumart. 

Wer im Gebirge mit offenen Augen unterwegs ist, kann jetzt feststellen, dass viele Hänge von Schafherden bewandert werden. Allerdings nicht die allseits bekannten weißen, sondern ein beinahe, quasi, schwarzes Schaf macht sich an den Hängen zu schaffen. Das Engadiner Schaf gehört, wie auch die Grünerle, zu den robusteren seiner Art und macht sich an den Hängen im Auftrag der Menschen zu schaffen. Das hat seinen Grund, denn die Grünerle, die ja eigentlich sehr nützlich ist, verbreitet sich rascher, als uns Menschen lieb ist. Das soll auf Dauer der Umwelt, dem Klima und der Wirtschaft schaden.

Man könnte jetzt fragen: „Wer hat’s erfunden?“. Ja, die Schweizer, denn die Schweizer haben bereits Erfahrung in der Zusammenarbeit mit ihren Schafen. Diese machen ihre Arbeit gründlich – auch das ist nicht weiter verwunderlich, denn immerhin kommt ja auch das Uhrwerk aus der Schweiz – und spätestens nach zwei Jahren ist der Grünerle Einhalt geboten. Das Schaf macht sich nicht nur am Grün der Sträucher zu schaffen, sondern auch an der Rinde und das geht den Büschen unter die Haut.

Auch manche Ziege setzt der Grünerle zu, aber die effizienteste Art der Bekämpfung ist das Engadiner Schaf. Die weißen Schafe, die man häufiger sieht (was nicht weiter verwunderlich ist, denn es wirft mehr Fleisch ab), lassen die Grünerle links liegen. Und selbst der Mensch konnte mit dem braunen Schaf nicht mithalten, denn abgeholzte Grünerlen haben wieder ausgeschlagen.

Die Grünerle ist ein Egoist, denn neben ihr kann und darf nicht mehr viel wachsen. Zudem benötigt die Grünerle deutlich mehr Wasser als andere Bergpflanzen. Anscheinend (Quelle: Schweizerbauer) soll sie damit mit verantwortlich dafür sein, dass die Flüsse im Sommer weniger Wasser führen. Und genau hier meldet sich die Wirtschaft zu Wort, denn dadurch entgehen der Stromwirtschaft mögliche Erträge. Wo möglich mehr Erträge, als das Mehr an Fleisch des weißen Schafes abwerfen würde?

Interessant und vielleicht auch etwas verwegen, die Ergebnisse einer anderen Studie, denn die Grünerle soll überschüssigen Stickstoff als Lachgas in die Luft abgeben. Wer das lustig findet, dem setzt das Gas bereits zu, denn Lachgas ist alles andere als lustig, denn es sei als Treibhausgas dreihundertmal stärker als CO2.

Ein Grund für das Wachstum der Grünerle: viele Alpweiden wurden mangels Wirtschaftlichkeit aufgegeben und damit hat sich das Grünzeug Platz geschaffen. Seltsam irgendwie, denn es scheint sich alles im Kreis zu drehen. Hängt womöglich doch alles zusammen?

Bericht auf Schweizerbauer

Übrigens: dort wo sich die Schafe an die Sache gemacht haben, werden die Hänge vorab braun, wie das Vieh, das dafür verantwortlich ist 🙂 … wer sich auf die Suche machen möchte, muss nicht weit gehen, ein Blick vom Glatthorn zu den Hängen der Löffelspitze und man weiß wovon die Rede ist.

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